Fallstudie KOOS Hotel&Apartments: Von der „veganen Ecke“ zum zertifizierten „vegan-friendly hotel“
Wenn es um vegane Gastfreundschaft geht, sind viele Hotels noch ganz am Anfang. Ein Pflanzendrink zum Kaffee oder ein „veganes Curry“ auf der Wochenkarte reichen oft als Feigenblatt, aber sie schaffen kein wirklich inklusives, durchdachtes Erlebnis für pflanzlich lebende oder bewusst reisende Gäste.
Genau an diesem Punkt stand das KOOS Hotel&Apartments in München – und hat daraus ein strukturiertes Konzept gemacht, das im März 2025 zur offiziellen Zertifizierung als Europas erstes „vegan-friendly hotel“ führte.
In dieser Fallstudie zeige ich auf, wie die Ausgangslage aussah, welche Schritte die Transformation möglich gemacht haben und welches Ergebnis am Ende stand.
Eins vorweg: ein vegan-freundliches Hotel ergänzt nicht einfach nur die Karte um ein paar Gerichte, sondern es denkt seine veganen, flexitarischen und bewusst reisenden Gäste entlang der gesamten Guest Journey mit.

Ausgangssituation: Gute Absicht, aber keine zielführende Lösung
Das KOOS Hotel&Apartments wollte vegane Gäste gezielt ansprechen und seine Nachhaltigkeitspositionierung glaubwürdig stärken. Der Status quo zeigte jedoch typische Bruchstellen, die viele Hotels kennen:
- Keine pflanzliche Proteinquellen
- Isolierte „vegane Ecke“ am Frühstücksbuffet statt eines integrierten Angebots
- Unklare Bezeichnungen
- Fehlerhafte Allergenbeschilderung
Das Ergebnis war nicht „zu wenig Wille“, sondern zu wenig System. Und genau da setzt eine Transformation an, die im Betrieb funktioniert.
Transformation: Von Einzelmaßnahmen zur veganen Guest Journey
Der entscheidende Schritt war, nicht an einzelnen Produkten oder Rezepten herumzuschrauben, sondern die vollständige vegane Guest Journey zu analysieren und daraus eine umsetzbare Roadmap zu entwickeln.
1. Vor-Ort-Analyse entlang der gesamten Guest Journey
Gastrofreude Consulting hat vor Ort die relevanten Berührungspunkte geprüft, die für pflanzlich essende Gäste (und für alle, die sich bewusst ernähren) den Unterschied machen:
- Kommunikation
- Zimmer
- Pflegeprodukte
- Buffetstruktur
- Kennzeichnung
Der Fokus lag dabei nicht auf „mehr vegan“, sondern auf klaren Standards und durchgängiger Orientierung: Was finden Gäste vor? Was ist eindeutig? Wo entstehen Reibungen, die sich leicht vermeiden lassen?
2. Buffet-Umstrukturierung, klare Bezeichnungen, vollständige Allergenkennzeichnung
Aus der Analyse entstand ein detaillierter Optimierungsbericht mit konkreten To-dos. Dazu gehörten:
Buffet-Umstrukturierung: vegane Ecke aufgelöst, Angebot integriert
- Die „vegane Ecke“ wurde aufgelöst und pflanzliche Optionen wurden ins Gesamtbuffet integriert.
- Der Grund ist pragmatisch: Niemand lässt sich gern in eine Ecke drängen. Wenn pflanzliche Komponenten für alle sichtbar und zugänglich sind, sinkt die Hemmschwelle – gerade bei Gästen, die sich nicht als „vegan“ bezeichnen, aber trotzdem gern mal einen Aufstrich oder den KeinLeberkäse probieren.
Bezeichnungen und Allergenkennzeichnung optimiert
- Statt generischer Labels wie „veganer Aufstrich“ wurden appetitliche, natürliche Bezeichnungen genutzt, z. B. „hausgemachter Gemüseaufstrich“.
- So steht der Geschmack im Vordergrund, nicht das Fehlen tierlicher Zutaten (siehe auch: „Don’t call it vegan“)
- Die Allergenkennzeichnung wurde aktualisiert und vollständig gemacht, damit Gäste (und das Team) schnell Orientierung haben.
Angebot ergänzt: gleichwertiges Frühstückserlebnis
- Das Frühstücksangebot wurde u. a. um KeinLeberkäse und Waffeln ergänzt, um ein gleichwertiges Erlebnis zu schaffen.
- Vorher standen bei den warmen Optionen im Kern Nürnberger Würste und Pancakes mit tierlichen Zutaten.
- Backwaren wie Croissants, Brezeln, Brötchen und Kuchen blieben wie zuvor pflanzlich – sodass alle Gäste hier weiterhin aus dem Vollen schöpfen können.
Wichtig an dieser Stelle: Transformation bedeutet im Hotelkontext selten „alles neu“, sondern meistens sauber sortieren, klar kennzeichnen und sinnvoll ergänzen. Genau dieser Ansatz macht Umsetzung realistisch, auch dann, wenn Zeit und Ressourcen knapp sind.
3. Kommunikation, die intern und extern funktioniert
Ein pflanzliches Angebot steht und fällt damit, ob es im Team verstanden und nach außen konsistent kommuniziert wird. Deshalb wurde eine Strategie zur Gästekommunikation entwickelt:
- Intern: Orientierung für das Team
- Extern: Website, Social Media, Vegan Hospitality Webseite
So entsteht kein Flickenteppich aus Aussagen, sondern ein roter Faden: Was bietet das Haus? Wie wird es dargestellt? Und wie erleben es Gäste tatsächlich?
4. Zertifizierung als strukturierender Rahmen
Parallel dazu habe ich den Zertifizierungsprozess durch Vegan Hospitality vollständig betreut. Damit bekam die Transformation nicht nur eine interne Struktur, sondern auch eine klare, nach außen nachvollziehbare Einordnung.
Ergebnis: Eine gleichwertige und überzeugende Guest Journey
Im März 2025 wurde das KOOS Hotel&Apartments als erstes Hotel in Deutschland und in ganz Europa offiziell als „vegan-friendly hotel“ durch Vegan Hospitality zertifiziert – auf Basis der Kriterien des Global Sustainable Tourism Council (GSTC).
Damit wurde nicht nur ein Meilenstein für das Haus erreicht, sondern auch ein Signal gesetzt: Pflanzliche Angebote sind nicht nur ein „nice to have“ am Buffet, sondern werden als Teil einer glaubwürdigen Nachhaltigkeitspositionierung gedacht und umgesetzt.
Hier das Ergebnis im Detail:
1. Buchung & Kommunikation
- Vegane Optionen sind auf der Website und in Buchungsportalen klar sichtbar.
- Das Team ist geschult, auf Rückfragen kompetent und herzlich zu reagieren.
2. Zimmererlebnis
- In den Zimmern finden sich ausschließlich tierfreie Pflegeprodukte und Materialien – von der Bettwäsche über die Betthupferl bis zu den Toilettenartikeln.
- In der Gästekommunikation wird das Engagement für Nachhaltigkeit und Gastfreundschaft deutlich gemacht.
3. Food & Beverage
- Das Frühstück ist ein echtes Highlight nicht nur für pflanzenbasierte Gäste: fluffige Croissants, selbstgebackene Schokomuffins, hausgemachte Aufstriche, Waffeln und ein KeinLeberkäse von der Veganen Fleischerei.
- Auch beim Mittagessen gibt es gleichwertige pflanzliche Bowls – kreativ, liebevoll angerichtet,ausgewogen mit selbstgemachten Linsenbällchen und gebratenem Tofu.
- Verschiedene Pflanzenmilchsorten wie Sojamilch oder Hafermilch stehen zur Auswahl – inklusive perfektem Schaum für den Cappuccino.
4. Betrieb & Schulung
- Das Team erhielt eine individuelle Schulung zum Thema vegane Gastfreundschaft, inkl. Allergenkennzeichnung, Kreuzkontamination, Erwartungshaltung veganer Gäste.
- Arbeitsprozesse wurden gemeinsam angepasst, um eine verlässliche und authentische Umsetzung sicherzustellen.
5. Marketing & Positionierung
- KOOS Hotel&Apartments kommuniziert seine Zertifizierung als „vegan-friendly hotel“ aktiv: auf seiner Webseite, über Social Media und seinen Newsletter, in der digitalen Gästemappe und im direkten Gästekontakt.
- Das Hotel ist international auf der Plattform von Vegan Hospitality gelistet und hebt sich dadurch sichtbar vom Wettbewerb ab.

Was du aus der Fallstudie für dein Hotel mitnehmen kannst
Viele Hotels stehen vor derselben Ausgangslage wie KOOS: Die Relevanz pflanzlicher Angebote ist erkannt, aber ohne Struktur bleibt es bei gut gemeinten Einzelmaßnahmen.
Aus dieser Fallstudie lassen sich drei praktische Leitlinien ableiten:
- Verankere pflanzliche Optionen im Konzept und in der Kommunikation. Intern im Team und extern auf allen relevanten Kanälen.
- Denke nicht in „Ecken“, sondern in Abläufen. Eine vegane Guest Journey beginnt nicht am Buffet und endet nicht beim Dessert.
- Sorge für Klarheit. Behandle Bezeichnungen und Allergenbeschilderung nicht als nervige Details, sondern als wichtigen Teil des Gästeerlebnisses.
Fazit
Immer mehr Reisende suchen gezielt nach Unterkünften, die bewusst, nachhaltig und inklusiv handeln. Pflanzliche Angebote sind dabei längst kein Nischenthema mehr sondern ein Qualitätsmerkmal zeitgemäßer Gastfreundschaft.
Durch die Zertifizierung als „vegan-friendly hotel“ hat KOOS Hotel&Apartments:
- seine Markenpositionierung geschärft
- interne Kompetenz und Sensibilität gestärkt
- ein positives Gästeerlebnis für eine wachsende Zielgruppe geschaffen
- konkrete Maßnahmen zur Reduktion des ökologischen Fußabdrucks umgesetzt
Es geht nicht nur um Hafermilch oder das 0815-Curry – sondern um Haltung, Qualität und Inklusion auf der Höhe der Zeit.
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